Auf dem Weg zum Merkurtransit – Teil II

Zwei Monate ist es her, dass ich an dieser Stelle über meine Vorbereitungen für den Merkurtransit berichtet habe. In diesen zwei Monaten gab es natürlich immer wieder Überlegungen zum zu verwendenden Equipment. Schlussendlich habe ich mich für diese zwei Komponenten entschieden:

  • Mein Coronado PST kommt auf meinen Star Adventurer. Die ASI 120MC wird dabei mit einer 2-fach Barlow angeschlossen und die entstehenden Videos auf meinem Astro-Laptop aufgezeichnet.
  • Mein 4“-Maksutov kommt auf meine Celestron AS-GT-Montierung und wird mit der Canon EOS550D bestückt.

Für Astrozwecke nutze ich mittlerweile nicht mehr mein Netbook, das beim Venustransit zum Einsatz kam, sondern einen leistungsstarken Laptop mit 16GB Hauptspeicher, 500GB-SSD und einem i7-Prozessor. Dennoch wollte ich dessen Leistungsreserven nicht ausnutzen, um die timelapse-Aufnahmen der Canon ebenfalls darüber zu steuern.

Aus diesem Grunde wurde die Canon vor kurzem mit der Software Magic Lantern bestückt, mit der beliebige timelapse-Aufnahmen direkt aus der Kamera heraus gesteuert werden können. Natürlich ist bei rund 7 Stunden Laufzeit und vielen hundert Einzelaufnahmen der Einsatz eines Netzteils zwingend nötig.

All dies war also relativ frühzeitig klar, nur die endgültige Wahl des Beobachtungsortes erfolgte dann ganz kurzfristig. Da der Merkurtransit von ca. 13:10 Uhr bis ca. 20:40 Uhr dauert und sich die Sonne dabei von Süden bis West-Nordwest bewegt, ist ein freier Blick über diese rund 120° Grad erforderlich, der dabei gegen Abend auch noch bis zum Horizont reichen sollte.

Ich hatte mir deshalb schon langfristig die Zeit von Sonntag Morgen bis Dienstag Mittag freigehalten und sechs verschiedene Ziele ausgesucht, die alle die erforderlichen Voraussetzungen boten und in maximal fünf Stunden mit dem Auto erreichbar waren. Vier dieser Ziele lagen am Meer und die anderen beiden auf vergleichsweise hohen Bergen mit freier Rundumsicht. Bei zuverlässig schönem Wetter wäre ich natürlich auch zuhause geblieben 😉

Seit einer Woche vorher kontrollierte ich regelmäßig die Wetteraussichten für diese Ziele. Es ist erstaunlich, dass die Vorhersagen für alle Orte weitgehend konstant blieben und sich mein jetziger Aufenthaltsort (Makkum) als optimal herausstellte. Schon seit einiger Zeit mache ich diesbezüglich sehr gute Erfahrungen mit der Wetterseite von Jörg Kachelman (kachelmannwetter.de), die – besonders mit dem extrem feingerasterten Schweizer Modell – eine hohe Zuverlässigkeit bietet.

Da für Bonn ab dem Nachmittag die vorhergesagte Wahrscheinlichkeit für Wolken deutlich zunahm, habe ich mir dann am Samstag ein Zimmer in einem Hotel am Strand reserviert. Ein großer Balkon im obersten (zweiten) Stock mit genau der gewünschten freien Blickrichtung bot mir denkbar gute Voraussetzungen, das gesamte Equipment gut zugänglich aufzubauen und mit Strom zu versorgen (so dass ich nicht auf die Mitnahme dicker Akkupacks angewiesen war).

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Man reist mit kleinem Gepäck…

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Nach meiner Ankunft Sonntag Mittag wurden die meisten der Geräte bereits aufgebaut, um die ersten Probeaufnahmen starten zu können. Alles verlief positiv und die Sonne konnte speziell zum Zeitpunkt des dritten und vierten Kontaktes in nur noch wenigen Grad Höhe über dem Horizont einwandfrei aufgenommen werden. Auch beim Sonnenuntergang und kurze Zeit später beim Untergang des jungen Neumondes gab es einen Untergang hinter dem Horizont und nicht hinter Wolkenbänken – also ebenfalls beste Voraussetzungen.

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Nachdem dann die ersten Sterne sichtbar waren, konnte ich auch beide Montierungen exakt einnorden, was ja am anderen Tag im Sonnenschein nicht mehr ganz so einfach gewesen wäre… Natürlich entfaltete der Himmel in Makkum vom Balkon aus durch die beleuchtete Strandpromenade direkt vor mir nicht seine sonst oft erlebte volle Pracht , dennoch waren die großen Sternbilder gut erkennbar: der Löwe, der Krebs oder die Zwillinge. Und natürlich auch noch der Große Wagen über mir im Zenit oder Jupiter, der strahlend hoch im Südwesten stand. Aber mein astronomisches Ziel lag ja diesmal auch am Tages- und weniger am Nachthimmel.

Am anderen Morgen wurden dann die letzten Komponenten angeschlossen und verkabelt, so dass ab 9:00 Uhr alles betriebsbereit war und der Transit kommen konnte.

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Mit dem Coronado und der ASI 120MC wollte ich gerne eine timelapse von den ersten zwanzig Minuten erstellen. Die Software SharpCap auf dem Laptop war so eingestellt worden, dass alle sechs Sekunden ein fünfsekündiges Video mit je 150 frames aufgezeichnet wurde. Somit ergäben sich insgesamt zweihundert kurze Videos, deren gestackte und geschärfte Summenbilder bei zwölf Bildern pro Sekunde zu einem siebzehnsekündigen Video verdichtet werden würden. Das gleiche sollte dann für die Austrittsphase wiederholt werden.

Am Maksutov mit der Canon EOS 550D sollte eine timelapse für den gesamten Transit entstehen. Bei einer Laufzeit von 13:00 Uhr bis 20:50 Uhr war die Programmierung auf 940 Aufnahmen alle 30 Sekunden eingestellt. Bei einer Bildwiederholrate von 25 frames/sec sollte dies dann später einen Videoclip von knapp 38 Sekunden Dauer ergeben.

Inwieweit Merkur dann in der Nähe eines Sonnenflecks vorbeilaufen würde war noch nicht absehbar. Das müsste dann das spätere Ergebnis zeigen.

12:30 Uhr

Die Sonne ist weit genug herum gekommen, dass die Teleskope und Kameras sie erfassen können. Alles wird gestartet und es werden noch einige Probeaufnahmen gemacht.

13:10 Uhr

Die timelapse-Aufnahmeserien werden gestartet. Das Bild der Sonne auf dem Laptop sieht sehr gut aus und ich kann den Eintritt von Merkur wunderbar mitverfolgen.

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13:20 Uhr

Die 100 Videos sind im Kasten und werden jetzt im Batch von avistack gestackt und anschließend (geht leider nur manuell) mit Giotto geschärft. Ich muss mich endlich mal darum kümmern, ob Registax so etwas für 100 Videos automatisch machen kann…

14:00 Uhr

Ab jetzt läuft alles weitgehend automatisch und ich habe Zeit, etwas essen zu gehen (und sogar mit den Füßen ins Wasser). Die Aufnahmeserien laufen…

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16:00 Uhr

Auch hier nimmt jetzt der Dunst spürbar zu. Ich kann zwar immer noch die Sonne mit Merkur auf den Displays erkennen, aber die Aufnahmeeinstellungen müssen jetzt kontinuierlich angepasst werden.

19:00 Uhr

Aus dem Dunst sind bereits kleine Wolkenbänke geworden und es kommen immer mehr. Vielleicht sind diese Aufnahmen die letzten, die ich diesmal machen kann. Das wäre schade, wenn ich den Wiederaustritt nicht mehr erfassen könnte.

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19:40 Uhr

Immer noch geht etwas. Mal besser, mal schlechter. Noch eine Stunde bis der Merkurtransit sein Ende findet. Die Oberflächenstrukturen der Sonne gehen zunehmend verloren, aber Merkur ist immer noch durch den Dunst einwandfrei zu erkennen.

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Bis zum Schluss bleibt die Sonne irgendwie immer wieder sichtbar. Leider verhinderten die durchziehenden Wolkenschleier ein Stacken der Videos. Deshalb hier nur ein einzelnes frame aus dem Video von 20:39:10 Uhr, wo Merkur nur noch halb die Sonne überlappt.

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Zum Abschluss, während ich schon mit den ersten Abbauarbeiten beschäftigt war, grüßte die Sonne mich für heute ein letztes Mal mit einem Bilderbuch-Sonnenuntergang.

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Diese Aktion hat sich auf jeden Fall gelohnt und ich freue mich auf die nächste!

Der kleine Videozusammenschnitt meiner Exkursion zusammen mit den beiden timelapses des Transits findet sich nun hier:

 

 

 

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